Erneuerungsprozess in Gang gesetzt

Eine vom Dialog geprägte Erneuerung der Kirche in Württemberg hat der neu konstituierte Diözesanrat eingeleitet. Er wählte zudem Johannes Warmbrunn aus Esslingen erneut zu seinem Sprecher.

Konstituierende Sitzung des 9. Diözesanrats

In der ersten Vollversammlung des 9. Diözesanrats am 25. und 26. März 2011 im Kloster Reute hatten die alten und neu gewählten Mitglieder des Diözesanrats zunächst ausgiebig Zeit, sich kennenzulernen. Anschließend wurde der 9. Diözesanrat von Bischof Gebhard feierlich konstituiert. Insgesamt gehören dem Diözesanrat 102 wahlberechtigte Mitglieder an, 55 aus den Dekanaten, 23 aus dem Priesterrat, 18 aus kirchlichen Gruppen und Organisationen und vier vom Bischof berufene Persönlichkeiten. Der Bischof als Vorsitzender und der Generalvikar sind kraft Amtes Mitglieder.

Aus dem Dekanat Esslingen sind gewählte Mitglieder Bettina Betzner (Nürtingen), Matthias Vetter (Esslingen) und Dr. Johannes Warmbrunn (Esslingen). Außerdem gehören dem Diözesanrat an: Dekan Paul Magino (als Vertreter des Priesterrats) und Sabine Mader (für die Berufsgruppe der Pastoralreferenten/innen).

Eröffnung des Dialog- und Erneuerungsprozesses

Mit einem „Ephata-Ritus“ wurde der Dialog- und Erneuerungsprozess von Bischof Gebhard feierlich eröffnet. Generalvikar Dr. Stroppel war zuvor auf gesellschaftliche und innerkirchliche Hintergründe eingegangen. Die Missbrauchsproblematik habe eine Katalysatorwirkung für viel weiter reichende Fragestellungen entfaltet. Zu groß sei die Kluft zwischen der in Lehre und Tradition verankerten Kirche und den Menschen geworden, die sich geschwächt, orientierungsarm und alleingelassen fühlen. Ein kaum noch verstandenes Normengefüge mit hierarchischen Entscheidungsstrukturen, die Erfahrung des Priestermangels und wenig geistlich Inspirierendes für die Bewältigung des Lebens stünden in Diskrepanz zum heutigen demokratischen Selbstverständnis.

So biete die Kirche, deren Grundlage eine Botschaft der Befreiung, der Menschenfreundlichkeit und der erfrischenden Offenheit sei, ein Bild von Enge. Kaum mehr werde akzeptiert, dass keine Veränderungen in der Ortskirche angegangen werden. Die emotionale Reaktion sei oft Resignation, zunehmend auch in kirchlich geprägten Regionen der Diözese. Es gebe zwei vereinfachte Deutungsmodelle: „Wir sind von Gott verlassen und resignieren“ oder „Wir müssen die Kirchenkrise als kritischen Wendepunkt und als Wirken des Heiligen Geistes begreifen“. Die Kirche dürfe nicht als trennend zwischen Mensch und Gott empfunden werden, sondern müsse ihre den Glauben fördernde und den Menschen dienliche Funktion wiederfinden.

Hierfür diene der Dialog- und Erneuerungsprozess. Er zeichne sich aus durch unvoreingenommenes und vorbehaltloses Gespräch. Alle Beteiligten hätten die Möglichkeit, sich offen zu dem zu äußern, was ihnen wichtig sei. Vorweg bestimmte Ergebnis-se und Tabus dürfe es nicht geben. Die Aussicht auf Veränderungen zumindest im nationalen Rahmen, müsse bestehen bleiben. Dialogbereitschaft und -fähigkeit zeichnen die Haltung von Bischof und Diözesanleitung, die Atmosphäre im Diözesanrat und in den Strukturen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart aus; dieses „Markenzeichen“ müsse sorgsam gepflegt und weiterentwickelt werden. Dr. Stroppel erwähnte auch das „Plädoyer für eine pilgernde, hörende und dienende Kirche“ von Erzbischof Dr. Zollitsch und die klaren Worte unseres Bischofs beim diesjährigen Neujahrsempfang.

Wahlen zum Präsidium

Als Sprecher des Diözesanrats wurde Johannes Warmbrunn aus dem Dekanat Esslingen-Nürtingen mit großer Mehrheit wiedergewählt. Seine Stellvertreterin ist erneut Veronika Rais-Wehrstein aus dem Dekanat Calw. Weitere Wahlen finden in der kommenden Vollversammlung im Mai im Kloster Schöntal statt.

Diese Informationen wurden von den gewählten Mitgliedern das Diözesanrats aus dem Dekanat Esslingen-Nürtingen zur Verfügung gestellt.