Kirche daheim

Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag, Ostern, innerhalb einer Woche stehen diese Feiertage im Kalender. Da gibt es vieles, was diese Tage besonders macht: die Gottesdienste, das Brauchtum, die Stimmung, das Miteinander.

Das ganze Leben kommt zur Sprache: Jubel, Gemeinschaft, Verrat, Leid, Durchhalten und Hoffen. Und dieses Jahr? Wird es ganz bestimmt anders sein. In dieser Ungewissheit hat mich in den letzten Tagen ein Gedanke besonders angesprochen: die ersten Christen kannten noch keine Kirchen, sie haben zuhause gesungen, gebetet und ihren Glauben weiter gegeben. Das sind wir vielleicht nicht gewohnt, aber ein paar Minuten nachdenken führt bereits zu ersten Ideen. So sagte die 10-jährige Tochter eines guten Freundes: „An Gründonnerstag muss es Baguette zum Teilen geben.“ Und wer die Stichworte wie Ostern.feiern.zuhause oder Kirche daheim im Internet eingibt, findet jede Menge Anregungen für jung und alt, für Familien und Alleinstehende, wie diese Tage zuhause gestaltet werden können. Gemeinden, Diözesen (www.drs.de), Landeskirchen haben neben livestreams ganz viele kreative Impulse zusammen getragen, ein Beispiel steht bei  www.wir-sind-mittendrin.de unter „aktuelles“. Auf einer Seite des Bistums Passau habe ich folgende Idee gefunden: eine weiße Kerze wird mit Verzierwachs nach und nach gestaltet, an Palmsonntag mit einem Palmwedel, an Gründonnerstag mit Brot und Wein, an Karfreitag mit einem Kreuz, an Ostern mit einer Sonne. Diese Osterkerze wird dann am Ostersonntag angezündet. Überlegen Sie selbst, was ist Ihnen in diesen Tagen wichtig. Setzen Sie das um, was Ihnen ein Herzensanliegen ist. Wenn ich an die Kinder und Jugendlichen mit Behinderung denke, dann weiß ich, wie Rituale ihnen Halt geben, aber geht es uns nicht allen so? Vereinbaren Sie in der Familie, im Haushalt, wann die Impulse stattfinden sollen, wie lange sie dauern und wer was beitragen möchte. Starten Sie einfach, ohne Anspruch perfekt zu sein. Es sind wohltuende Überraschungen und neue Erfahrungen möglich, wie diese Tage unser Leben und unseren Glauben stärken.

Tobias Haas, Seelsorge bei Menschen mit Behinderung, kath. Kirche, Wernau