Mit Worten und Händen

Fröhlicher Familientag mit Picknickdecken-Gottesdienst im Freilichtmuseum Beuren

Um die Schlange am Eingang in Grenzen zu halten, öffnete das Freilichtmuseum Beuren extra ein paar Minuten früher, wenig später hatten sich auf der großen Streuobstwiese mindestens 250 große und kleine Besucher zum Picknickdecken-Gottesdienst versammelt. Eingeladen hatten das Katholische Dekanat Esslingen-Nürtingen, die Caritas-Kinderstiftung Esslingen-Nürtingen, die Seelsorge bei Menschen mit Behinderung, der Evangelische Kirchenbezirk Nürtingen und das Freilichtmuseum Beuren.

Beim Familientag unter dem Motto „Brot.Zeit.Fest.“ war an alle und an alles gedacht. „Da hätte ich meine Picknickdecke gar nicht gebraucht“, rief eine Besucherin zu Beginn, denn es lagen für alle rote Decken bereit, die später als Souvenir mitgenommen werden durften. Am Anfang des Gottesdienstes waren alle eingeladen, Gott nicht nur mit Worten, sondern auch mit Händen zu begrüßen – so waren auch alle, die nur wenig oder gar nicht sprechen können, mit dabei.

Auch der Bibeltext des Gottesdienstes – das Gleichnis vom Sämann – wurde von vielen Bewegungen und Geräuschen begleitet: Schließlich sollten die zwitschernden Vögel, die dem Sämann sein Korn wegfressen, zu hören sein. Die Kurzpredigt teilten sich Harald Geyer, evangelischer Pfarrer in Kohlberg, und Tobias Haas, katholischer Seelsorger bei Menschen mit Behinderung. Es ist alles eine Frage der Perspektive: Der Sämann im Gleichnis könnte sich ärgern, dass es mit dem Säen dreimal nicht geklappt hat. Aber er könnte auch auf das schauen, was gut gewachsen ist. Die musikalisch gut gewachsene Chorgruppe von St. Kolumban in Wendlingen sang „Halleluja mit Händen und Füßen“. Das Opfer wurde für die Kinderstiftung eingesammelt. „Jedes fünfte Kind in der Region wächst in Armut auf“, sagte deren Geschäftsführerin Biluge Mushegera.

Der evangelische Diakon Hendrik Lohse freute sich, Familien „einen Begegnungsraum und Glauben leben anbieten zu können“ und spurtete nach dem Gottesdienst herum, um ganz viele Picknickdecken-Familienfotos aufzunehmen. Die Familien durften sie mitnehmen und sich in einer Kreativaktion die passenden Rahmen basteln. „Da kommen Familien aus ganz unterschiedlichen Lebenskontexten zusammen, vielfältig und inklusiv, das ist einfach toll“, freute sich Andrea Weber, Referentin für Partnerschaft und Familie im katholischen Dekanat Esslingen-Nürtingen. Auch das Freilichtmuseum machte bei der sozialen Inklusion mit, für Familien gab es an diesem Tag ermäßigten Eintritt.

Nach dem Gottesdienst drehte sich an verschiedenen Stationen alles ums Korn und Brot. Kinder versuchten sich in Zweierteams im Getreidedreschen, im Getreidesieben und im Bedienen der Windfege.  In zwei Gruppen zu je 20 Kindern wurden Brötchen gebacken, dafür war der Ofen im Backhäuschen angeheizt. An den Grillstellen wurde Stockbrot gebacken. Beliebt war auch das Popcorn der Caritas-Kinderstiftung, mit zwei alten Traktoren wurde über das Museumsgelände gefahren.

Der große Andrang wurde gut entzerrt: Der Gottesdienst wurde später nochmals wiederholt. Der Abschluss um 15.45 Uhr mit einem Segen war nur ein Angebot, aber bei weitem kein Rausschmiss. „Die Familien sollen eine entspannte Zeit verbringen“, wünschte sich Andrea Weber, sie freute sich über viel mehr Besucher als erwartet und über die sehr harmonische Zusammenarbeit mit dem Freilichtmuseum. Dieses hatte verschiedene Gebäude mit Erzählern ausgestattet: Wenn einem jemand lebendig erzählt, wie das Leben früher so war, ist das nochmals etwas ganz anderes, als wenn man es selbst auf Tafeln lesen muss.

Einen der spannendsten Momente gab es im Backhaus, als die Kinder ihre fertig gebackenen Brötchen abholen kamen: „Erkennt ihr sie auch alle wieder?“ Schnell nochmals mit der Taschenlampe in den großen Backofen geleuchtet, damit wir auch ja kein Tablett vergessen, das wäre doch jammerschade.

Text und Fotos: Peter Dietrich