Reformen in der Kirche angemahnt

Von der Sitzung des Diözesanrats am 18. und 19. Juni 2010 in Untermarchtal berichten die Diözesratsmitglieder aus dem Dekanat Esslingen-Nürtingen Beate Schwarz, Dr. Johannes Warmbrunn und Gerhard Heckel.

Aussprache zur aktuellen Situation in unserer Kirche

In einem Statement forderte Sprecher Johannes Warmbrunn, die „Einengung in den Denkmustern, die uns den Weg zu den Menschen, und ganz besonders zu jungen Menschen, auf schmerzhafte Weise versperren“ zu überwinden. So müsse auch der „kirchliche Umgang mit der menschlichen Sexualität auf den Prüfstand“. Frauen und Verheirateten das Priesteramt generell vorzuenthalten, beurteilte er „in letzter Konsequenz“ als Lieblosigkeit. Aber es gebe auch Hoffnung: „Viele haben die Zeichen der Zeit erkannt. Es gibt sie, die positiven Beziehungen, es gibt Zuwendung, Vertrauen und Achtsamkeit in unserer Kirche.“ Und keinesfalls dürfe die kritische Distanz der Kirche zum Zeitgeist aufgegeben werden. Der Diözesanrat bekannte sich in einer Erklärung zum Reformprozess und berief sich auf die Botschaft Jesu Christi, deren Verkündigung einer glaubwürdigen Kirche bedürfe.

 

Schwerpunktthema: Weiterentwicklung und Profilierung kirchlicher Sozialstationen

Ordinariatsrätin Dr. Stetter-Karp stellte das Projekt vor, mit dem die kirchlichen Sozialstationen auf die angesichts der demografischen Entwicklung künftig dramatische Situation in Pflege und Betreuung vorbereitet werden. Es sieht Verbesserungen der Zusammenarbeit untereinander, aber auch mit der ehrenamtlichen Arbeit in den Gemeinden und in den Verbänden vor. Besondere Aufmerksamkeit soll dem kirchlichen Profil und der Erarbeitung von Qualitätsleitlinien gelten. In Gesprächsrunden wurden die Erfahrungen und Bewertungen der Mitglieder des Diözesanrats zusammengetragen und dem bischöflichen Ordinariat auf den Weg gegeben.

 

Beschlüsse zum kirchlichen Ehrenamt und zur Finanzierung der Gemeinden

Der Diözesanrat beschloss, ehrenamtlich Engagierte, die eine umschriebene Leitungsfunktion übernehmen, feierlich zu beauftragen und sie fachlich zu unterstützen und zu fördern.

Die Kirchengemeinden erhalten 2011 und 2012 jeweils - wie 2010 - eine Zuweisung in Höhe von 129,7 Mio. Euro. Dafür ist eine Entnahme aus der Rücklage in Höhe von voraussichtlich insgesamt 17,8 Mio. Euro erforderlich.

 

Berichte unseres Bischofs und Generalvikars sowie von vier sudanesischen Priestern

Bischof Gebhard berichtete über das internationale Priestertreffen in Rom und erinnerte an zwei Glaubenszeugen aus unserer Diözese, Bischof Sproll und Eugen Bolz, zu deren Gedenken Erinnerungsgegenstände in der Kirche San Bartolomeo aufbewahrt werden. Er kündigte eine Aufarbeitung der Diözesangeschichte durch namhafte Wissenschaftler an. Generalvikar Dr. Stroppel stellte den aktuellen Stand der Neugestaltung der Diözesankurie vor: Der Rohbau schreitet voran, der Kostenplan wird eingehalten.

Ein besonderes Erlebnis war der Besuch von vier sudanesischen Priestern, die über die Lage in ihrem von Bürgerkrieg, Christenverfolgung und Hungerkatastrophen bedrängten Land berichteten. Die Priester unserer Diözese unterstützen ihre Mitbrüder in Afrika: 2,1 Mio. Euro allein in den letzten 10 Jahren.